Raketen und Gerichte

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Minuteman IIIAufstehen, Frühstück und Abfahrt sind heute etwas zeitkritisch, da wir für unseren ersten Stop einen festen Termin haben.
Kurz nach 10 Uhr erreichen wir die Air Force Base Vandenberg. Zu Domis Überraschung gibt es hier ein Visitor Center und extra Tourbusse. Ich bin nicht sonderlich überrascht. Schließlich sind die Amis ja wesentliche Armeeverrückter als die Deutschen. Und bloß weil es fast keine deutschen Gruppen gibt, die sich für solch exotische Ziele interessieren, heißt das nicht, dass das in Amiland genauso ist. Hier fahren die vollbesetzten Schulbusse nach Vandenberg.
Und dass, wo es eigentlich relativ wenig zu sehen gibt. Wir bekommen eine Minuteman III zu sehen, einen Haufen antiquierte – pardon – historische Technik und von weitem eine Abschussbasis. Zum Mittag gehen wir in den Offiziersclub, der Aufgrund der geringen personellen Anzahl auch für Mannschaften offen steht. Und das nenne ich mal einen Offiziersklub. Plüschige Teppiche, Sessel, Buffet und WLAN. Dazu geschnitzte Trophäen und Gruppenzeichen. Macht eine ganze Menge mehr her als sein deutsches Pendant. Heute gibt es ein chinesisches und Salatbuffet. Das hier der Scholoadenpuddig direkt direkt zwischen den Tomaten, Kopfsalat und Salatdressig steht, verwirrt wahrscheinlich nur die deutschen Touristen.
Alles in allem ist Vandenberg eine professionelle und sterile Einrichtung, der man anmerkt, dass hier hauptsächlich Spezialisten und keine Fußsoldaten arbeiten. Es fehlt mir ein wenig die echt amerikanische PR-Show :-)
Auf dem Parkplatz der Airbase haben wir auch den Platz, unsere Autos für ein Kleingruppenfoto zu platzieren. Warum Geli ihre ersten Fahrerfahrungen ausgerechnet an dieser Stelle machen möchte, an der es zumindest auf ein Minimum an Präzision ankommt, weiß wohl nur sie. Schließlich stehen aber alle Autos so, wie es uns vorschwebt.
Gerichtsgebäude in Santa BarbaraDanach geht es weiter. Unser nächster Stop, den wir nach einer nicht ganz so malerischen Strecke erreichen, ist Santa Barbara. Hier schauen wir uns auf anraten der Dame vom örtlichen AAA (hier gibt es endlich auch meine Karten) nicht die Mission sondern das Gerichtsgebäude an. Eine gute Empfehlung. Das gesamte Gebäude ist im spanischen Stil gebaut worden und für jedermann zugänglich. Die Betreuung der Besucher wird von Ehrenamtlichen übernommen, die extrem höflich und auskunftsfreudig sind. Hier dürfen wir uns frei bewegen und in jeden Raum, der nicht abgeschlossen ist (davon haben wir keinen gefunden), reingehen. Nur von der zweiten Etage wird abgeraten. Zum einen gibt es da eh nichts zu sehen, zum anderen sind Pflichtverteidiger langweilig. „Und was machen wir, wenn da mal eine Verhandlung läuft?“ „Hinsetzen und Klappe halten.“ Gute Antwort :-)
Nach Santa Barbara geht es weiter in Richtung L.A. Mal wieder versuche ich, einen vernünftigen Radiosender zu finden. Ein Unterfangen, dass schon gestern nur von mäßigen Erfolg gekrönt war. Hier gibt es nur Labersender, Sonntags vornehmlich mit Predigern. Hin und wieder findet man mal einen (!) Sender, der Oldies oder Country bringt. Das ist besser als „Jesus loves you!“ aber noch einen Schlag weit weg von Guter-Laune-Musik. Heute, wo wir näher an das große Los Angeles kommen, werden die Labersender mehr, ein Drittel davon Spanisch, dafür fallen Musiksender ganz flach.
In der Stadt der (gefallenen) Engel erwartet uns zum ersten Mal eine amerikanische Rushhour. Was für ein Glück, dass ich nicht fahren muss.
Los AngelesAber es fährt sich erstaunlich gut und für diese riesige Anzahl von Autos (bis zu sechs Spuren in eine Richtung) erstaunlich flott. Nach nur einer dreiviertel Stunde sind wir durch ganz L.A. durch und an der Queen Mary angekommen.
Die Kabinen auf dem Schiff sind eng und im Stil der zwanziger Jahre gehalten – und dann Anfang der Neunziger modernisiert worden. Das Bedeutet, dass die Auslasse der Klimaanlage direkt neben dem uralten und nicht funktionierenden Ventilator liegen. Im Bad gibt es Wasserhähne für Kaltes Salzwasser, kaltes Süßwasser, warmes Salzwasser und warmes Süßwasser. Allerdings funktionieren nur noch die Süßwasserhähne. Und die auch nicht für die Dusche, dafür gibt es eine eigene Mischbatterie.
Und in jedem noch so hübschen Gang hängen riesige rote Exit-Lampen. Das Schiff ist also nicht konservierend sondern amerikanisch modernisiert worden.
Viel Zeit und Lust, das Schiff zu besichtigen habe ich nach Abendessen und Afterparty aber nicht mehr. Mich zieht es ins Bett – im Gegensatz zu Biggi und Geli, die das Schiff wohl noch bis morgens um vier besichtigt haben.

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