Frische Batterien bringen einen echt weiter. Nachdem ich gestern abend noch recht erfolglos mit meinem GPS durch die Gegend gestiefelt bin, habe ich heute vier Treffer in eine halben Stunde gemacht. Und das mal wieder vorm Frühstück
Unser erster Stopp des Tages ist das Kapitol von Californien, wo wir das Büro des amtierenden Gouverneurs mal von außen sehen können. Domi kennt keine Scheu und klopft einfach mal an. Entsprechend überrascht ist er auch, als die Tür tatsächlich geöffnet wird. Hereingebeten wird er dann aber doch noch. Die Vorzimmerdame meint, dass Mr. Schwarzenegger derzeit dienstlich in Washington ist.
Noch ein Rundgang und ein Tipp in der Eingangshalle, dann geht’s weiter. Alles in allem ein Stopp, auf den ich auch hätte verzichten können. Wobei ich, im Gegensatz zu gewissen anderen Mitreisenden, zum ersten Mal dieser Meinung bin.
Ansonsten wird das heute wohl wieder ein recht ausschweifender Fahrtag. Wir haben alle eine Verzichtserklärung in die Hand gedrückt bekommen, die den Veranstalter der morgigen Programms absichern soll. Mal abgesehen davon, dass sie in englisch ist und wohl die wenigsten hier im Bus in Juristenenglisch so gut sind, dieses Ding vernünftig zu übersetzen, habe ich eh eine massive Abneigung gegen diese Art von Rechtsbeugung. Domi meinte, er werde sich mal eingehend mit diesem Ding beschäftigen.
Unser nächster echter Stop ist der Lassen Volcanic National Park. Hier brodelt der Schwefel in den Löchern. Außerdem soll es einen Lehrpfad an aktiven Vulkanen entlang geben. Den bekommen wir aber nicht zu sehen, weil unser Führer ihn wohl nicht kennt (sonst hätte er ihn ja wohl mal erwähnt). Stattdessen machen wir eine Wanderung um einen See. Landschaflich wieder mal schön aber eben keine Vulkane im Volcanic Park.
Am Abend kommen wir in Dunsmuir beim Railroad Park Resort an. Hier werden wir für zwei Tag in umgebauten Caboose-Wagons untergebracht. Ich hatte im Vorfeld schon befürchtet, dass in diesen Wagen echte enge Schlafwagenatmosphäre aufkommen würde. Aber die Wagen sind absolut liebevoll restauriert worden und es gibt auch immer einen Wagen pro Zimmergemeinschaft. Nur Domi und ich sollen in einem Bungalow unter gebracht werden. Das Häuschen ist zwar toll eingerichtet und hat sogar zwei Schlafzimmer. Aber irgendwie ist das ja dann doch nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Und dann schlägt Flirting-Domi mal wieder zu. Binnen von zehn Minuten ziehen wir in einen Wagen um, der eigentlich für Familien frei gehalten wird, weil es hier neben dem Doppelbett noch drei Einzelbetten gibt. Gefällt mir wesentlich besser :-). Natürlich vergesse ich mal wieder (wie schon so häufig auf dieser Tour), ein Bild vom inneren zu machen.
Fürs Abendessen hat Domi Plätze bei einem Italiener ganz in der Nähe reserviert. Driss leitet Robert entsprechend auch nur zweimal in die falsche Straße. Endlich gibt es mal was „richtiges“ zu Essen, das nicht den Flair von Fastfood hat. Mit meiner Lasagna Pastry (Lasagne im Blätterteigmantel) habe ich mir zwar bewusst eine wohl amerikanische Kreation ausgesucht, bin aber begeistert. Das schmeckt sehr gut und, ganz unamerikanisch, noch nicht mal nach Ketchup.
Als wir alle bezahlen, erlebe ich, wie langmütig einige Mitreisende doch sind, die sich erst beim Bezahlen darüber beschweren, dass sie kein Essen bekommen haben. Abends dann Afterparty bei Achim und Carla.
Kategorie: Californien
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Schwarzenegger und Schlafwagen
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Goldwaschen und Raddampfer
Heute gilt 6 – 7 – 7:30. Nicht dass wir wirklich vor acht Uhr loskommen. Aber immerhin früher, als wenn wir acht als Abfahrtzeit geplant hätten.
Heute ist ein recht langer Fahrttag gen Sacramento.
Nachmittags schmeißen wir Erhard und die anderen Eisenbahnfans am Stadtrand aus dem Bus. Die fahren mit dem Taxi weiter zum hiesigen Eisenbahnmuseum. Angeblich dem größten in Nordamerika. Wir erreichen dann Colona, eine Stadt, die ganz im Zeichen des Goldrausches steht. Entsprechend schauen wir uns im Visitor Center einen Lehrfilm übers Goldwaschen an und waschen dann selber eine Stunde lang Gold. Und zwar suchen wir hier kein Heidepark-Pyrit (das schwamm da aber auch in der Brühe und musste besonders sorgfälltig vom echten getrennt werden) sondern echtes californisches Blattgold. Laut Aussage des anwesenden Diggers schmeißen die jeden Morgen Blattgold im Wert von 75 Dollar, dass sie echten Goldwäschern aus der Umgebung abkaufen, in die Tröge, nach denen die Touristen dann suchen dürfen. Ich werde auch fündig, mit 14 Stückchen habe ich eine für diese Tageszeit (kurz vor Feierabend) eine extrem gute Ausbeute gemacht, wie mir der Digger versichert. Danach gibt’s noch einen Schatz in einer Plastikbox und dann geht’s zurück nach Sacramento.
Die Delta King ist ein alter Raddampfer, der nach seiner Außerdienststellung zu einem festliegenden Hotel umgebaut wurde. Entsprechend den maritimen Gegebenheiten sind die meisten Kabinen nur so groß, dass gerade mal ein Queensize Bett (nur eins für zwei Personen) und ein Fernsehschrank hinein passt. Ich habe heute wegen des recht kurzen und schmalen Betts mal auf eine Einzelkabine gepocht. Als ich dann allerdings in der Heckkabine stehe, die fast doppelt so groß ist wie die normalen, überkommt mich ein Anfall von Kameradschaft und Grußzügigkeit und ich tausche mit Domi und Erhard, damit die wenigstens etwas Platz haben.
Abendessen gibt es heute im Hard Rock Café, wo ich den bisher besten Burger in den Staaten bekommen habe. Da ich für ein T-Shirt mal wieder zu geizig war (was soll ich dafür 20 Dollar investieren?), bleibt es bei kostenlosen Souvenirs. Der Spieß aus dem Burger und eine Visitenkarte.
Ansonsten war heute ein recht fotofreier Tag. Beim Goldwaschen habe ich das Knipsen echt vergessen und die Bilder mit der Nachtstimmung in Sacramento sind nicht sonderlich gut geworden. -
Yosemite und tanzende Sherrifs
Sehr schattig. Nachdem wir gestern morgen noch mit 40 Grad Celsius gestartet sind, waren die -6 Grad Celsius heute morgen dann doch etwas überraschend. Schnatter.
Unser erster Stop am Lake Mono ist enttäuschend. Weit weg und wenig besonderes zu sehen. Driss wusste offensichtlich gar nicht, dass man mit dem Bus auch direkt an den See fahren kann und dann auch viel mehr und schönere Salzsäulen sieht. Das holen wir nach einem dezenten Hinweis von Andrea, die im Visitor Center gefragt hat, auch nach.
Auf der Fahrt nach Yosemite ging wieder dieses Dauerstaunen los. Hohe Berge links, tiefe Schluchten rechts – und andersrum. Atemberaubenden Landschaft. Im Nationalpark selber hatten wir dann leider nur drei Stunden Zeit (schließlich war für abends noch tanzen geplant) aber ich denke, das was in Ordnung. Yosemite ist ein Park, in dem du dir entweder einen halben Tag lang einen Überblick verschaffst oder einen ganzen Urlaub verbringst. Wenn da nur nicht so viele Touristen währen…
Mehr kann man zu Yosemite nicht sagen, den Park muss man erleben. Ich hoffe inständig, dass meine Bilder so gut geworden sind, dass sie wenigstens mir dieses überragenden Gefühl vermitteln können.
Unterkunft ist rustikal und einfach. Eine Stunde Pause bis zum Tanzen. Leider hat vor zwei Monaten ein Erdrutsch die Strasse nach Mariposa, wo der Clubabend stattfinden soll, versperrt. Die Umleitungsstrecke, die hier aus dem Boden gestampft wurde, ist nur einspurig befahrbar und nicht für Fahrzeuge, die länger als 28 Feet sind – eine Bedingung, die unser Reisebus so nicht erfüllt.
Also hat Domi uns einen brandneuen amerikanischen Schulbus organisiert, mit dem wir zur Tanzhalle (der Club hat, wie so viele hier, eine eigene) gefahren. Extrem eng (es gibt kein Economy plus Upgrade) und mit Sitzen, die garantiert höher als die Kinder sind. Wer sich bisher gewundert hat, warum die amerikanischen Schulkinder zu Verbrechern werden, sollte mal die Schulbusse ausprobieren :-) Aber Maggi, unsere Fahrerin, war echt gut und nett. Ich habe mich bei ihr, trotz eines recht progressiven Fahrstils, wesentlich sicherer gefühlt als bei Robert. Und mehr über die Gegend erzählen als Driss konnte sie auch.
In Mariposa angekommen, platzte die Tanzhalle schon aus den Nähten, bevor wir da waren. Mit uns musste dann im Nebenraum extra Tische beiseite geräumt werden, damit wir mit bestimmt 12 Squares tanzen konnten. War zwar wieder ein Altersdurchschnitt jenseits von gut und böse, aber alle nett und freundlich.
So habe ich einen echten Sheriff (weiblich) kennengelernt, die auch promt ihren Sohn angerufen hat, als Domi mal einen echten Polizeiwagen von innen sehen wollte. Besonders cool finde ich hier, dass das örtliche Sherrifsdepartment Sammelkarten mit den Bildern ihrer Mitarbeiter raus gibt, die den Baseballsammelkarten extrem ähneln. Kathie (oben erwähnter Sheriff (weiblich)) erzählt auch gleich, dass die Karte ihrer Tochter, die als Schließer im örtlichen Knast arbeitet, drei Karten ihrer Mutter wert ist. Besonders bei den Jungs in eben diesem Knast. Kann ich nachvollziehen, sieht echt hübsch aus. Da Domi ja verheiratet ist, fällt es mir leicht, ihm die Karte der Tochter abzuschwatzen. Mutter und Sohn behält er aber als Erinnerung. Ich habe übrigens später in einem Cache noch mal eine solche Karte aus einem anderen County gesehen. Scheint also eine etwas verbreitete Idee zu sein.
Außerdem weiß ich nun, dass Heinz (die mit dem Ketchup) ein Label in Keystone-Form haben, weil Heinz aus Pennsilvania kommt (dem Keystone-State). Das und noch einiges mehr erzählt mir Stu, Domis Kontakt beim hiesigen Club. Der hat bis zu seiner Rente bei Heinz gearbeitet und ist ein großer Fan seiner Firma. Schließlich zahlt sie ihm auch jetzt noch sämtliche medizinischen Behandlungen.
Als besonderes Bonbon für die Deutschen gab es Rootbeer Flush, Rootbeer mit ein bis zwei Kugeln Vanilleeis. Seltsame Sachen haben die hier. Im heißen Sommer sicher eine tolle Erfrischung, allerdings schmeckt mir Rootbier pur besser. Hat zwar alles wenig mit tanzen zu tun, dafür aber viel Amerika-Inside gezeigt. Und getanzt habe ich auch.
Die Rückfahrt ins Hotel war dann auch fast schmerzlos. -
Geisterstadt Bodie und scharfe Fügel
Der Tag hat genauso heiß begonnen, wie der Letzte aufgehört hat. Aber inzwischen sitzen wir wieder im Bus. Und auf 1300 Metern sind es auch nur 79 Grad Fahrenheit (26° C). Fast zivil :-)
Über den heutigen Tag gibt es recht wenig zu berichten. Das einzige Highlight des Tages ist die Geisterstadt Bodie, die wir aber aufgrund massiver zeitlicher Fehlplanungen nur etwa eine Stunde am Abend besichtigen können, da die Parkranger auf einen pünktlichen Feierabend drängen. Ansonsten sind wir den ganzen Tag auf Tour unterbrochen nur von einstündigen Mittagspausen (nicht, dass wir für zwei Sandwiches eine Stunde bräuchten) und dreiviertelstündigen spontanen Tankstops mit Umweg.
Den Mono Lake haben wir wegen des knappen Zeitrahmens gleich ganz weg gelassen.
Die Unterkunft in Bridgeport ist extrem schnucklig. Ist zwar ein Motel aber so individuell eingerichtet, wie Best Western das nur möglich macht. Mit Handtüchern, die zu Schwänen gefaltet waren und Schleifchen um die Taschentücherbox. Ich fühle mich hier besser aufgehoben als im MGM Grand. Wobei die auch echt rührig waren, aber hier hat es mehr persönliche Note.
Der Tag endet gemütlich in einer Kneipe. Die örtliche Amüsierdame, die vor der Tür stand, hat uns den Laden wärmstens empfohlen. Hier essen die Locals und es ist besser und billiger als gegenüber in der Touristenkneipe.
Man schaute etwas befremdlich, als acht Deutsche anfangen, zwei Tische zusammenzurücken. Aber das Essen war wirklich gut und der Pitcher Hefeweizen mit 11 Dollar wirklich günstig. Für den Funfaktor wurde vom Haus gesorgt, als Andrea die Chicken Wings von Clara bekommen hat. Während Andrea nur milde Sauce bestellt hatte, schmeckten ihre, als währen sie in purer Tabasco-Sauce getaucht worden. Wenn das schon „hot“ ist, möchte ich gar nicht wissen, wie „nitro“ schmeckt. Was bin ich dankbar, dass ich nur einen Salat bestellt habe und nicht den Burger, den ich mir eigentlich ausgeguckt habe. Denn der wäre mit „hot“ serviert worden. -
Rosa Truckstops und Hitzewahn
Nach 36 Stunden Glitzerwelt brechen wir heute gen Death Valley auf. Driss, der Ersatzmann für Ulrike, führt sich weiter gut ein. Redet viel in zwei Sprachen, hat aber wesentlich mehr Struktur.
Drei Stops liegen auf dem Weg. AAA, Outlet Store und (natürlich) Supermarkt.
Was für ein Glück, dass ich keine Square Dance Hemden kaufen sondern nur gucken möchte. Warum wollen die denn jetzt beim Rausgehen Geld von mir haben. Ach so. Wegen dem einen Hemd, dem Duster und den zwei Päckchen Kaffee, die ich dabei habe. Aber bei den zwanzig Prozent Rabatt, die Domi rausgehandelt hat, wäre es grob fahrlässig, hier nichts zu kaufen :-)
Das Driss eine sizilianische Mutter hat (neben seinem marokkanischen Vater) und italienisch eine seine Muttersprache ist, kommt dann doch mal durch, wenn er vom „Lago Mead“ spricht. Und auch sonst ist sein Deutsch manchmal recht schwer zu verstehen. Aber nach Ulrike wins wir gändig und freuen uns über jeden Informationssplitter, den wir bekommen und verstehen.
Pause wird in einem kleinen Truck Stop in the middle of nowhere gemacht. Da ich Nevada Joe´s mit Sicherheit nie auf irgendeiner Karte finden werde (das was der AAA hier Karte nennt, würde ein deutscher Kartograph eine Zumutung nennen), habe ich mal einen Wegpunkt gesetzt. Das Mittagessen ist cowboy-like Jerky mit Wasser bei brütender Hitze. Denn die paar Sandwiches, die Joe in seinem ansonsten recht großen Kühlschrank hat, halten dem vereinten Ansturm von 29 Square Dancern nicht lange stand.
Ich muss irre sein, die Sonne muss mir das Hirn geröstet haben. Ich habe mich der Fanatikerfraktion angeschlossen, die im Badwater Bassin getanzt hat. 86 Meter unter dem Meeresspiegel und bei 115 Grad Fahrenheit. Das sind irgendwie 46 Grad Celsius. Und offensichtlich hat der Hitzewahn auch bei Domi nicht halt gemacht, wenn man sein eAufmachung betrachtet. Zudem treibt einem der Wind ständig salzigen Sand ins Gesicht und die Augen. Selten war ich so dankbar für die Klimaanlage im Bus.
Der Tag endet auf der Furnance Creek Ranch im Death Valley. Nach einem guten Abendessen (Burger – welch Überraschung) fühlt sich der Magen auch wieder besser an. Jetzt weiß ich auf jeden Fall, warum Lucky Luke so ein dünnes Hemd ist. Jerky mag für Cowboys als Mittagessen reichen – mir langt es bei weitem nicht. Danach noch auf einen Absackerrosé an den Pool. Aber die Hitze treibt mich schon nach kurzer Zeit zurück in mein klimatisiertes Zimmer. Also für eine Nacht mag das ja alles ganz witzig sein, aber ich frage mich echt, wer hier seinen ganzen Urlaub verbringen möchte. Hier ist nichts los, es ist schweineheiß und die örtliche Gastronomie ist sich ihrer Monopolstellung voll bewusst. Ein Pitcher Bud kostet 14 Dollar, ein Pitcher Localbeer 25 Bucks. Und gegen das Local hat sogar Kölsch einen kräftigen Eigengeschmack :-)
Aber alle sind guter Dinge und Driss hat seine Sache gut gemacht. Und nun früh ins Bett, morgen gilt erstmalig 6-7-8.