Kategorie: Arizona

  • Viva Las Vegas

    Strip by NightDer Weckruf hat mal wieder nicht funktioniert. Und diesmal lag es definitv nicht am Hefeweizen, die anderen haben es auch zu spüren bekommen.
    Der erste Stop nach einem sehr schwachen Frühstück ist der Tempel der LDS-Church. Wir bekommen sogar (welch Überraschung :-)) einen kurzen Überblick über die LDS. Sie missionieren erstaunlich wenig. Der einzige Hinweis ist, dass wenn wir ein Book of Mormon haben möchten, dann mögen wir doch bitte unsere Adresse angeben. Wir würden dann ein kostenloses Exemplar im Rahmen eines persönlichen Besuchs überreicht bekommen. Klar – wie im wahren Leben. Wenn du am Gewinnspiel teilnehmen möchtest, brauchen wir deine Adresse. An sich also ganz harmlos. Wenn der Typ nicht am Rande den Alleinstellungsanspruch der Kirche erwähnen würde.
    Weiter geht’s durch Arizona nach Nevada. Tolle Landschaft, die es hier zu sehen gibt.
    Das MGM Grand, in dem wir heute und morgen unter kommen ist eine riesige Glitzerbettenburg unter anderen riesigen Glitzerbettenburgen. Allerdings bekommen wir vorerst nur den Haupteingang davon zu sehen. Denn nachdem die Koffer ausgeladen worden sind (die wir nicht mitnehmen dürfen) fahren wir noch einmal aus der Stadt raus zum Hoover Staudamm. Riesig – imposant – und natürlich nicht auf einen Chip zu bannen.
    Abends ist selbstverständlich der Las Vegas Blvg., besser bekannt als der Strip, Pflichtprogramm. Es ist nicht möglich, diese Glitzerwelt in Worte zu fassen. Noch schwerer tut sich meine Kamera damit, dieses bunte Leuchten einzufangen. Mit Blitz werden die Bilder zu dunkel, ohne verwackeln sie. Ich habe viel Gelegenheit, mit der Kamera in dunklen Ecken zu üben, unverwackelte gute Nachtfotos zu schießen. Und tatsächlich ist der 256 MB Chip, den ich als Sicherheit während des Las Vegas Aufenthalts eingelegt habe, am Ende halb voll mit akzeptablem Material. Ich vertraue dennoch darauf, ggf. einige Bilder von Martin zu bekommen.
    Biggi, Andrea und Martin wollen unbedingt im New York, New York mit der Achterbahn fahren, ich halte mich da vornehm zurück, was weniger an Feigheit sondern am Geiz liegt. Die wollen für ein Fahrt 12,50 Dollar haben. Da ich morgen wohl noch in die Star Trek Show im Hilton will und weiß, was die kostet, will ich mein Budget ein wenig beisammen halten. Und während Biggi schon mit schlotternden Knien in die Bahn einsteigt (und das wohl auch zu recht) soll sogar Andrea während der Tour immer wieder gerufen haben „Das hier doch ganz anders als im Heidepark“.
    Mein Fazit zu Las Vegas ist, dass es nett, aber nicht so großartig ist, wie es immer berichtet wird. Liegt wohl an zweierlei Dingen. Zum einen gibt es inzwischen in allen größeren Städten Leuchtreklamen, zum anderen haben wir das, was die hier aufgebaut haben, entweder direkt vor der Tür (Venician) oder ausführlich im Geschichtsunterricht behandelt (Excalibur, Luxor und Ceasars Palace). Und die Casinos sehen eh alle gleich aus. Entsprechend kann ich nach drei Stunden oder so mit Fug und Recht behaupten, dass ich keine echte Lust mehr habe und irgendwie ins Bett möchte. Aber wir müssen ja noch die ganze Strecke zurück zum Hotel :-)
    VenicianUnd dann sind da jetzt auch die Shows, die wir auf dem Hinweg nicht angesehen haben, weil es noch hell war. Im Treasure Island bekommen wir, nachdem ich mit meinem Zimmerschlüssel gewunken habe, VIP-Plätze. Leider wird die Show, die mich am meisten interessiert hat, wegen Starkwind abgesagt. Dann weiter ins Venician, wo die Mädels Gondel fahren und die Jungs Eis essen. Ich glaube, im nachhinein hat mich das Venician am meisten beeindruckt. Nicht wegen Prunk und Glamour, den gibt es in Sin City an jeder Ecke. Sondern wegen der perfekten Illusion. Die haben innerhalb den Hotels eine komplette Stadt im venizianischen Stil nachgebaut. Inklusive einem Canele, auf dem Gondeln fuhren. Und obwohl es draußen dunkel war, war hier drin tag. Nicht einfach nur taghell erleuchtet sondern mit einem Himmel, bei dem man den Eindruck hatte, die Wolken würden im Wind dahinziehen. Da springt die innere Uhr dann endgültig aus der Spur. Gottseidank haben die Illusionisten auf die Tauben verzichtet :-)
    Der Vulkanausbruch am Mirage ist mehr als enttäuschend, die Wassershow am Bellagio dafür sehr schön und wird wegen des großen Erfolgs auch gleich noch mal wiederholt :-) Viva Las Vegas von Elvis, sehr dynamisch. Im Nachhinein habe ich ein Video von der Show bei YouTube gefunden, dass ich nicht verlieren möchte und deshalb hier verlinke. Da der Weg am Bellagio länger ist als die verbleibenden 7 Minuten zur vollen Viertelstunde, bekommen wir noch eine dritte Show mit einem neuen Lied geliefert. In diesem Fall gab es God bless America. Recht patriotisch, aber dafür sind wir ja auch hier. Und auch ziemlich gut umgesetzt.
    Auf dem Rest des Wege dann den penetranten Drückern ausgewichen (Girls, Girls, Girls), Souveniers und ein Sixpack Absackerbier (für drei Leute) gekauft und dann zur Viererafterparty in Hotel getigert (müsste man beim MGM Grand nicht von gelöwt sprechen). Ach ja. Günstige (aber nicht billige) T-Shirts und ein Hemd sind auch in meiner Tasche gelandet. Das Casino Royale hat Ausverkauf gemacht und alles zwischen 5 und 10 Dollar rausgehauen. Da wäre es dumm gewesen, nicht zuzuschlagen. Viva Las Vegas!

  • Flucht nach Mexico und Ruby’s Inn

    Antelope CanyonCameron
    Nachdem ich schon vor dem Frühstück den dritten Cache der Tour gemacht habe, habe ich meine 200 voll. Jeder weitere ist jetzt Bonus. Also spare ich mir im folgenden einen Großteil der Cachebezogenen Infos, die sonst wohl auch dem geneigtesten Leser überdrüssig werden würden.
    Das Frühstück kam so schnell (bevor ich richtig saß), dass ich gar nicht fragen konnte, ob ich das Hash Brown gegen Pancakes tauschen kann. Egal, man kann nicht alles haben. Dafür bin ich heute richtig gut drauf. Was neun Stunden Schlaf alles bewirken können :-)
    Kurz vor der Abfahrt noch eine Shopping-Einlage und den Hut, den ich gestern schon ausgesucht hatte, an Domi zwecks Mengenrabatt weiter gegeben. Das Domi allerdings für das Vorzeigen seiner Tourguidecard einen Specialdiscount bekommt, hat uns beide angenehm überrascht.
    Inzwischen fahren wir durch Navajo-Land und Ulrike pumpt uns mit unzusammenhängenden Fakten voll. Aber mit der Zeit lernt man, sie auszublenden und die Landschaft des Vor-Grand-Canyon-Landes zu genießen.
    Gegen 10 Uhr sind wir in Page. Da unser Programm erst in 45 Minuten weiter geht und der Bus zweihundert Meter neben einer Markierung auf meinem GPS hält, nutze ich die Gelegenheit und zeige Domi mal, wie das mit dem Geocachen funktioniert (ich sagte, ich blende den Großteil der Infos aus, nicht alles :-)). Domi ist begeistert und ich sehe, wie sein Kopf arbeitet um neue Marktbereiche zu erschließen. Ziel erreicht :-)
    Danach brechen wir mit extrem hochgelegten Pickups, auf deren Lagefläche 14 Leute passen (man könnte meinen, wir wollten aus Mexico fliehen), auf zum Antalope Canyon. Hier kann man extrem schöne Bilder machen. Unsere hiesige Führerin (wir haben eine Gruppe gebildet, die keine Übersetzung braucht) ist grossartig. Da sie üblicherweise die Photograpy Tour führt, die doppelt so viel kostet, weiß sie ganz genau, wo man richtig gute Bilder machen kann. Und sie scheut sich auch nicht, sich von Touris Kameras geben zu lassen um wirklich gute Bilder zu machen.
    Für die Rückfahrt nutze ich die Gelegenheit und fahre vorne im Pickup mit. Ein ganz anderes Fahrgefühl. That´s entertainment.
    Auf der Weiterfahrt gibt es einen Fotostop beim Glen Canyon Staudamm. Da im Laufe der Tour aber noch der Hoover Damm auf dem Programm steht, gibt es wirklich nur einen Fünf-Minuten-Stop.
    Um 14:30 Uhr verlieren wir plötzlich eine Stunde. An der Staatsgrenze nach Utah verläuft die Zeitzonengrenze.
    Petra hat angemerkt, dass die Zeitzonengrenze nicht zwischen Arizona und Utah sondern zwischen Utah und Nevada verläuft. Domi würde dem nach Karten- und Faktenlage zustimmen. Ulrike nicht. Wir warten mal bis zur nächsten öffentlichen Uhr. Die Einheimischen sollten wissen, wie spät es ist.
    In Kahab habe ich dann doch mal in die Square Dance Ausrüstung investiert. Ein Bolotie für 24 Dollar ist echt günstig. Also in Zukunft nicht mehr am Bolo-Ständer an der Kasse schauen (hier liegen die Preise zwischen 50 und 350 Dollar) sondern eher etwas abseits bei den Pins :-) Zu Ulrikes Ehrenrettung (auch wenn es nicht viel hilft) muss ich noch gestehen, dass ihre Uhrzeit stimmt.
    Ruby’s InnIch kann nicht ganz glauben, dass unser Rubys Inn das selbe ist, in dem meine Eltern damals getanzt haben. Irgendwie ist das ein Riesenkomplex, der zudem noch recht neu zu sein scheint.
    Aber hier habe ich nach dem Abendessen wenigstens mal die Gelegenheit, ins Internet zu springen. Für 50 Cent die Minuten :-(
    Afterparty dann bei Klaus und Sabine im Zimmer, weil über Domis Zimmer der Busfahrer schläft. Und dessen Schlaf ist uns wichtiger als Petras, die direkt neben Sabine und Klaus wohnt.

  • Zaubersteine und tiefe Schluchten

    sedona.jpgPhoenix – 9:00 Uhr
    Die Afterparty war ein bisschen was länger. So lang, dass ich nicht durch den Weckruf des Hotels geweckt wurde. Domi leider auch nicht, deshalb ist das Frühstück ausgefallen. Ich muss jetzt erstmal warm laufen. Mit Jerkey, dass wir bei unserem ersten Supermarkstop eingekauft haben :-) Im Hintergrund schwafelt Ulrike ohne Punkt und Komma – leider auch ohne einen Hauch von inhaltlicher Strukturierung.
    Um halb elf machen wir einen Pitstop auf einer Raststätte. Neben 8(!) Fastfood-Läden gibt es hier auch einen Starbucks – endlich Frühstück.
    In Sedona fahren wir an absolut coolen Panoramen vorbei – ohne anzuhalten :-( Dafür dann mitten in der Stadt, wo es maximalen Touristen-Kommerz gibt. Diesen nutze ich, um meinen Vorrat an Halbedelsteinen aufzufüllen, die es hier gibt. Ganz selten und hochmagisch. Das dieses Edelsteinverkaufssystem offensichtlich ein Francisesystem ist, geht mir erst im Laufe der Reise auf, als ich die gleiche Displayform mit immer anderen Beschriftungen sehe. Zuletzt in San Francisco mit der Bezeichnung „Rocks from the Rock“. Dafür waren sie hier (zumindestens bilde ich mir das ein) am günstigsten. Und da sie wirklich cool aussehen, ärgere ich mich auch nicht.
    Aber hinterher geht’s durch die Red Rocks. Und hier halten wir dann auf 2000 Meters an. Was für eine Aussicht! Und mein Akku gibt auf. Ersatzakku? Habe ich heute morgen mit meinem hektischen Suffkopp in den Koffer gedonnert. Den müssen wir dann am Grand Canyon (unserem nächsten Ziel) mal rauskramen. Wir also auf den Parkplatz gefahren und ich in den Kofferraum gekrochen. Dass die ganze Zeit die glühend heißen Abwärmerohre der Klimaanlage nur zwei Zentimeter von meinem Rücken entfernt waren, habe ich glücklicherweise erst beim raus kriechen gemerkt. Und da hatte ich die Akkus schon.
    Also beeindruckend ist der Grand Canyon ja auf jeden Fall. Da kommt man sich richtig klein neben vor. Ich hätte das ja auch gerne mal von unten gesehen. Aber die Zeit dafür haben wir leider nicht. Nun können wir aber ins Hotel fahren. Denn inzwischen sind auch die Reserveakkus alle. Das hat man davon, wenn man bei Ebay irgendwelche Nachbauten kauft.
    Robert, unser Busfahrer, hält auf dem Weg nach Cameron noch am Colter-Aussichtsturm an. Vor dem atemberaubenden Sonnenuntergang habe ich noch Zeit, den zweiten Cache (ein Virtual) zu machen. Die Nachtschicht zur Vorbereitung zahlt sich aus :-)
    Als Cameron seinem Veranstalter vorschlug, anstatt in Page in Cameron zu übernachten, wurde er beinahe ausgelacht. In Cameron gäbe es absolut nicht. Doch die Erwartungen von Domi wurde erfüllt. Hier gibt es zumindestens Betten, die uns knapp zwei Stunden Fahrt ersparen. Und das in einem netten Ambiente.
    Abends gibt es endlich mal was echtes zu Essen. Ulrike hat den hiesigen „Navajo Taco“ empfohlen. Das der absolut geschmacksneutral ist, lässt die Frau in meinem Ansehen nicht sonderlich steigen. Aber es ist eine so ordentliche Portion, dass ich nach gut der Hälfte kapituliere. Im Nachhinein betrachtet war es wohl eine weise Entscheidung, den Rest nicht einpacken zu lassen. Der Magen macht Stress und Montezuma lässt seine Muskeln spielen. Was will man auch anderes erwarten im Injun-Land.

  • Kakteen und Rentner

    img_2626.JPGPhoenix – 2:30 a.m. (ja, ich muss mir das ja auch mal angewöhnen)
    Das Hotel ist Klasse. Der große Vorteil, mit Domi zusammen zu wohnen, heißt „Ambassador-Suite“ und ist entsprechend groß. Neben dem riesigen Schlafzimmer haben wir ein ebensogroßes Wohnzimmer mit Ess- und Couchtisch, zwei Bade- und ein Bügelzimmer.
    Das Bier im örtlichen Pub war – hm – alkoholhaltig, aber die 90 Grad Fahrenheit (32°C), die es vor der Tür des Pubs hatte, haben mich dann doch getroffen. Nach 3 Hefewitzen (Marke: Pyramid, laut Internetrecherche 5,2 %) und einem „Fat Tire“ (heißt nicht nur so sondern hat auch geschmeckt wie ein alter Reifen) war das doch recht kuschelig.
    Den Cache, den ich nach dem Pub noch angelaufen habe (500 Meter durch die Wüste in Arizona (scheiß Alkoholübermut)) habe ich dann doch nicht gehoben. Nachdem ich nach der Ankunft den ersten Skorpion im Badezimmer gefunden hatten (Domi dachte, ich veralbere ihn, die Belegschaft des Hotels hat das aber sofort geglaubt), hatte ich dann irgendwie keine Lust, im Dunkeln blind in der Fauna eines fremden Landes zu buddeln. Klarer Fall von Feigheit.
    Da ich aber auf jeden Fall den mitgebrachten Travelbug hier in den Staaten los werden möchte und wie berichtet nicht sonderlich viele ausreichend große Dosen eingeplant habe, tigere ich vor dem Frühstück noch mal los und werde auch prompt fündig.
    Der Scorpio, den ich im Bad gefunden hatte, ist übrigens der Art nach, in der Gegend bekannt. „Je kleiner, desto mehr schmerzt der Stich. Die Babys können das Gift wesentlich schlechter dosieren.“ Entsprechend pumpen die einem alles Gift, was da ist, in den Blutkreislauf.
    Ach ja. Internet. Um hier ins Netz zu kommen, braucht man wohl einen Anschluss an den Netzstecker, den die hier im Zimmer ausliegen haben. Leider hat mein Telefon dafür keine Buchse.
    Tagesprogramm (ja, die Uhrzeit ist schon wegrationalisiert)
    Botanischer Garten
    Was die in Hannover mit dem Kakteenhaus in klein gemacht haben, haben die hier in Phoenix in echt und groß. Unter anderem erfahren wir hier, dass Kakteen Sonnenbrand bekommen können, deshalb werden die hier mit schwarzen Netzen geschützt. Und Agaven verspritzen den angesammelten Zucker von ihrem Stamm aus :-) Das ist zu mindestens das, was die Fremdenführerin Ulrike aus dem macht, was uns die Führerin durch den botanischen Garten erzählt. Tatsächlich (nur der Form halber) sammeln Agaven den Zucker und bilden damit einen Stamm aus (der bis zu fünf Metern groß werden kann) um an dessen Ende ihre Samen zu sammeln. Irgendwann wird die Pflanzen zu schwach, den Stamm zu stützen, er fällt um und die Samen fangen in einigem Abstand zur Mutterpflanze an zu wachsen. Man, die Fremdenführerin hat sehr kreative Übersetzungen… Das mit den Netzen gegen den Sonnenbrand ist übrigens korrekt, das hatte Ulrike erst gar nicht zu übersetzten versucht.
    Heart Museum
    Unser nächstes Ziel ein Museum über die Kunst der lokalen Indianerstämme. Schön gemacht und interessanterweise hat man zum einen antike Stücke und zum anderen Stücke, die von modernen Künstlern und ebensolchen Motiven mit den alten Methoden hergestellt wurden. So findet sich da auch eine Micky Mouse aus Türkisen. Aber ich bin ja dankbar, dass ich englisch kann und nicht auf die peinlichen und falschen Übersetzungen von Ulrike angewiesen bin…
    Phoenix ist eine echte Rentnerstadt. Das Klima ist gut und selbst die Wintermonate werden nicht kühl. Daher ziehen viele Amis nach der Rente nach Phoenix. Entsprechend viele Krankenhäuser gibt das hier. Und entsprechend erwarte ich auch einen etwas höheren Altersdurchschnitt beim Clubabend, den wir heute Abend besuchen werden. Der Tänzer, der uns im Hotel eingesammelt hat, bestätigt das auch gleich. Warten wir es ab.
    …
    Und sie waren alt. Gerüchte redeten davon, dass die tatsächlich ein Mindestaufnahmealter von 65 Jahren haben. Aber dennoch waren sie echt fit drauf und wurde von einem ziemlich guten (wenn auch recht arroganten) Caller durch die Gegend gescheucht. Besonders niedlich fand ich eine Oma, die auf mich zu kam und erzählten, dass sie gehört hatten, dass wir Männerüberschuss hätten und dass es Deutschland möglich ist, dass eine Frau einen Mann auffordert und dass sie gerne mit mir Tanzen wolle. Wenn man so nett gefragt wird, gibt man doch gerne klein bei. Die Oma war übrigens die ganze Tour über die einzige Amerikanerin, die mich zum Tanz gebeten hat. War auf jeden Fall ein schöner Tanzabend :-)

  • Anreisetag

    img_2607.JPGHamburg Flughafen – 5:30 Uhr Ortszeit
    Ok, ich sitze hier in der Wartezone und bin (natürlich) viel zu früh dran. Macht aber nichts, die haben mich schnell und einfach auf eine frühere Maschine umgebucht. Besser eine Stunde länger in Frankfurt als hier rumzusitzen …
    Oh. Boarding. Jetzt geht’s los.
    Ach ja, da die hier Geld fürs Wlan haben wollen, spar ich mir das online stellen :-)
    Ich sitze im Flieger und habe tatsächlich sowas wie Notausgangssitze. Zumindestens bilde ich mir ein, dass der Sitzabstand hier, neben den Notausstiegsluken, etwas weiter ist.
    Frankfurt Flughafen – 10:15 Uhr
    Alle Kontrollen erledigt. Der Pass ist schon mächtig abgegriffen. Domi erklärt gerade sein persönliches Bordkartenexperiment. Da die Flugesellschaft die Gruppe ziemlich gewürfelt und auseinander gerissen hat, hat Domi in einer Nachtschicht alle vergeben Plätze neu verteilt. Aber da bin ich ja als Economy Plus Kunde außen vor. Außerdem erzählt Domi gerade von seinem letzten Geburtstag. Besoffen mit allen Vieren ins Lagerfeuer gefallen. Und dann im Brausebrand nicht den Norarzt gerufen sondern erst mal ins Bett gegangen und aufgrund der Schockwirkung nicht einschlafen können. Die Narben an Händen und Knien sehen entsprechend aus. Und ich dachte, irgendwann kommt man mal aus dem Alter raus ;-)
    img_2615.JPGWashington Flughafen – 15:35 Uhr Ortszeit
    Sind gut angekommen und gelandet. Aus irgendeinem obskuren Grund müssen wir hier unsere Koffer einsammeln und selber über die Zollgrenze tragen. Aber wir tun ja brav, was die Amis von uns verlangen – schließlich wollen wir ja rein. Und dann ziehen die mich am Zoll raus. Was ich denn hier will, was ich arbeite, wie viel Geld ich dabei habe und wo meine Eltern her kommen. Bei der Antwort „Nienstedt“ erhalte ich ein wissendes Nicken. Kennt die Dame vom Zoll natürlich. Nach ungefähr fünf Minuten gemütlicher Plauderei stempelt die Dame irgendein Formular ab (nicht dass ich das als Andenken bekäme, die sammelt sie wohl selber) und ich kann meine Koffer wieder aufgeben.
    Nach dem langen Flug und dem recht kargen Essen (war eigentlich geschmacklich gar nicht so schlecht) beschließen wir, erst mal echtes, amerikanisches Essen (sprich: Junk Food) einzufahren. Da wir aus einer zivilisierten Ecke der Welt kommen und McD, BK und das Sandwich aus der Untergrundbahn schon kennen, suchen wir nach was „Neuem“. Dabei läuft uns eine Mutter mit ihrem Kinderwagen (so einer, wo die Kinder nur drin liegen) über den Weg. Und ich bin etwas irritiert, als ich Stimmen aus dem Wagen höre. Am Fußende des Kindes schaut (als Technikfreak erkennt man sowas) die Ecke eines mobile DVD-Spielers aus dem Kinderwagen. Sollte die Mutter, während Sie mit ihrem Kind durch die Gegend schiebt, tatsächlich einen Film gucken anstatt auf das Kind ud die Umwelt zu achten. Verwerflich. Und dann schaue ich genauer hin – der Monitor zeigt in die andere Richtung. Das Kind, bestimmt noch kein Jahr alt, schuat gebannt auf die Flimmerkiste und wird mit einem Film ruhig gehalten. Bevor ich auch nur den Hauch von Galle schmecke, die in meinem Magen kocht, kommt der alte Spruch wieder hoch: „Andere Länder, andere Sitten“.
    Um den Magen wieder zu beruhigen, wird nun erst mal Fast Food eingefahren. Stuffed Pizza bei Villa mit Doc Pepper für nur 6.45$. Rootbeer ist leider aus :-(
    Im Fernsehen haben sie bei CNN gerade live aus Frankfurt berichtet. Da aber kein Ton an ist, bekomme ich nicht mit, was passiert ist. Memo an mich selber: ich brauche noch meine Dosis Nachrichten.
    Um 17:50 geht es weiter nach Phoenix. Ich weiß noch nicht, ob ich mit dem Fensterplatz, den ich bekomme habe, glücklich werde. Oh mein Gott. Mini-Mouse ist Flugbegleiterin. Ich erkenne ihre Stimme.
    Den Flug bekomme ich dann doch nur im Dämmerzustand mit, weil mein Körper beschlossen hat, dass nun aber mal genug ist mit dem staunend-durch-die-Gegend-rennen und mich eindösen lässt. Das ist zum Einen schade, da ich so dem Handlungsfaden von „Oceans thirteen“ nicht folgen, zum Anderen unbequem, weil ich mich im Flugzeug nicht entspannen kann (mangels Routine) zum Dritten aber gut, weil ich so meine ersten Eindrücke in Phoenix in einem einigermaßen wachen Zusand bekomme. Und es sind verdammt warme Eindrücke, die zudem noch zwischen den Zähnen knirschen. Über Phoenix fegt gerade ein Sandsturm hinweg. Und ich muss sagen, auch wenn ich die Hitze nicht gut finde, kann ich sie besser ertrage als in Deutschland. Ist einfach trockener.
    Und das Nickerchen im Flugzeug ermöglicht es mir, trotz dass der Kopf ins Bett möchte, noch mit einigen anderen in den zum Hotel gehörenden Pub zu gehen. Da es aber schon nach Mitternacht ist, gehört das zum 2. Tag.