Kategorie: Nevada

  • Geisterstadt Bodie und scharfe Fügel

    Impression aus BodieDer Tag hat genauso heiß begonnen, wie der Letzte aufgehört hat. Aber inzwischen sitzen wir wieder im Bus. Und auf 1300 Metern sind es auch nur 79 Grad Fahrenheit (26° C). Fast zivil :-)
    Über den heutigen Tag gibt es recht wenig zu berichten. Das einzige Highlight des Tages ist die Geisterstadt Bodie, die wir aber aufgrund massiver zeitlicher Fehlplanungen nur etwa eine Stunde am Abend besichtigen können, da die Parkranger auf einen pünktlichen Feierabend drängen. Ansonsten sind wir den ganzen Tag auf Tour unterbrochen nur von einstündigen Mittagspausen (nicht, dass wir für zwei Sandwiches eine Stunde bräuchten) und dreiviertelstündigen spontanen Tankstops mit Umweg.
    Den Mono Lake haben wir wegen des knappen Zeitrahmens gleich ganz weg gelassen.
    Die Unterkunft in Bridgeport ist extrem schnucklig. Ist zwar ein Motel aber so individuell eingerichtet, wie Best Western das nur möglich macht. Mit Handtüchern, die zu Schwänen gefaltet waren und Schleifchen um die Taschentücherbox. Ich fühle mich hier besser aufgehoben als im MGM Grand. Wobei die auch echt rührig waren, aber hier hat es mehr persönliche Note.
    Der Tag endet gemütlich in einer Kneipe. Die örtliche Amüsierdame, die vor der Tür stand, hat uns den Laden wärmstens empfohlen. Hier essen die Locals und es ist besser und billiger als gegenüber in der Touristenkneipe.
    Man schaute etwas befremdlich, als acht Deutsche anfangen, zwei Tische zusammenzurücken. Aber das Essen war wirklich gut und der Pitcher Hefeweizen mit 11 Dollar wirklich günstig. Für den Funfaktor wurde vom Haus gesorgt, als Andrea die Chicken Wings von Clara bekommen hat. Während Andrea nur milde Sauce bestellt hatte, schmeckten ihre, als währen sie in purer Tabasco-Sauce getaucht worden. Wenn das schon „hot“ ist, möchte ich gar nicht wissen, wie „nitro“ schmeckt. Was bin ich dankbar, dass ich nur einen Salat bestellt habe und nicht den Burger, den ich mir eigentlich ausgeguckt habe. Denn der wäre mit „hot“ serviert worden.

  • Rosa Truckstops und Hitzewahn

    Nevada Joe’sNach 36 Stunden Glitzerwelt brechen wir heute gen Death Valley auf. Driss, der Ersatzmann für Ulrike, führt sich weiter gut ein. Redet viel in zwei Sprachen, hat aber wesentlich mehr Struktur.
    Drei Stops liegen auf dem Weg. AAA, Outlet Store und (natürlich) Supermarkt.
    Was für ein Glück, dass ich keine Square Dance Hemden kaufen sondern nur gucken möchte. Warum wollen die denn jetzt beim Rausgehen Geld von mir haben. Ach so. Wegen dem einen Hemd, dem Duster und den zwei Päckchen Kaffee, die ich dabei habe. Aber bei den zwanzig Prozent Rabatt, die Domi rausgehandelt hat, wäre es grob fahrlässig, hier nichts zu kaufen :-)
    Das Driss eine sizilianische Mutter hat (neben seinem marokkanischen Vater) und italienisch eine seine Muttersprache ist, kommt dann doch mal durch, wenn er vom „Lago Mead“ spricht. Und auch sonst ist sein Deutsch manchmal recht schwer zu verstehen. Aber nach Ulrike wins wir gändig und freuen uns über jeden Informationssplitter, den wir bekommen und verstehen.
    Pause wird in einem kleinen Truck Stop in the middle of nowhere gemacht. Da ich Nevada Joe´s mit Sicherheit nie auf irgendeiner Karte finden werde (das was der AAA hier Karte nennt, würde ein deutscher Kartograph eine Zumutung nennen), habe ich mal einen Wegpunkt gesetzt. Das Mittagessen ist cowboy-like Jerky mit Wasser bei brütender Hitze. Denn die paar Sandwiches, die Joe in seinem ansonsten recht großen Kühlschrank hat, halten dem vereinten Ansturm von 29 Square Dancern nicht lange stand.
    Domis OutfitIch muss irre sein, die Sonne muss mir das Hirn geröstet haben. Ich habe mich der Fanatikerfraktion angeschlossen, die im Badwater Bassin getanzt hat. 86 Meter unter dem Meeresspiegel und bei 115 Grad Fahrenheit. Das sind irgendwie 46 Grad Celsius. Und offensichtlich hat der Hitzewahn auch bei Domi nicht halt gemacht, wenn man sein eAufmachung betrachtet. Zudem treibt einem der Wind ständig salzigen Sand ins Gesicht und die Augen. Selten war ich so dankbar für die Klimaanlage im Bus.
    Der Tag endet auf der Furnance Creek Ranch im Death Valley. Nach einem guten Abendessen (Burger – welch Überraschung) fühlt sich der Magen auch wieder besser an. Jetzt weiß ich auf jeden Fall, warum Lucky Luke so ein dünnes Hemd ist. Jerky mag für Cowboys als Mittagessen reichen – mir langt es bei weitem nicht. Danach noch auf einen Absackerrosé an den Pool. Aber die Hitze treibt mich schon nach kurzer Zeit zurück in mein klimatisiertes Zimmer. Also für eine Nacht mag das ja alles ganz witzig sein, aber ich frage mich echt, wer hier seinen ganzen Urlaub verbringen möchte. Hier ist nichts los, es ist schweineheiß und die örtliche Gastronomie ist sich ihrer Monopolstellung voll bewusst. Ein Pitcher Bud kostet 14 Dollar, ein Pitcher Localbeer 25 Bucks. Und gegen das Local hat sogar Kölsch einen kräftigen Eigengeschmack :-)
    Aber alle sind guter Dinge und Driss hat seine Sache gut gemacht. Und nun früh ins Bett, morgen gilt erstmalig 6-7-8.

  • Here comes the bride und andere Hobbys

    Wedding Chapel in Las VegasDer Tag beginnt eindeutig zu früh, dafür aber mit einem Highlight. Domi hat ein deutsches Pärchen aufgetrieben, das in Las Vegas heiraten will und bereit ist, uns zugucken zu lassen. Und die Beiden saßen schon die ganze Zeit bei uns im Bus und Domi hat die Hochzeit auch noch geplant. Klaus und Sabine von den Bridge Hause Twirlers wollen sich das Jawort geben.
    Die Trauung wurde in deutsch mit einer gehörigen Portion Patos durchgeführt, in der Kapelle durfte nicht fotografiert werden, schließlich konnte man Film und Bilder hinterher kaufen. Ist ja wie im Freizeitpark :-) Kleiderordnung für Brautpaar und Gäste war Square Dance Dress, schließlich wurde anschließend hinter der Kapelle noch (bei der Hitze gottseidank nur) ein Square Dance Tipp getanzt.
    Sehr interessant und für die Beiden sicher auch sehr schön. Auf der anderen Seite fiel dafür für die (freiwilligen) Zuschauer das Ausschlafen flach. Das ist halt der Preis, den man für seine Neugier bezahlen muss :-)
    Jan und ein FerengiDafür kommt man von der Wedding Chappel (die mich übrigens (wie so vieles in Las Vegas) stark an Larry Laffer erinnert) relativ einfach und schnell zum Las Vegas Hilton. Dorthin wollen Petra und ich, um die Star Trek Experience zu besuchen. Das sind zwei geführte Showrundgänge, die eigentlich ziemlich gut sind. Zum einen die Borg Invasion 4D, bei dem man als Gast auf einer Raumstadion von den Borg entführt wird und zum anderen den Klingon Encounter, bei man über die Brücke der Enterprise D läuft und zum Abschluss mit einem Shuttle in einem wilden Ritt zurück in die Gegenwart und ins Las Vegas Hilton gebracht wird. Allerdings kannte ich die Borg-Show schon vom (inzwischen geschlossenen) Space Center in Bremen. Aber hier war es dennoch irgendwie cooler. Also alles in allem etwas teuer (42 Dollar) aber nett. Und ich habe auch ein Foto mit Mickey Mouse – oder wie heißt der Typ mit den großen Ohren?
    Danach ging es mit der Monorail zurück ins Hotel. Nachdem wir eingestiegen sind, bittet uns eine Stimme aus den Lautsprechern darum, darauf zu achten, dass uns keine Aliens aus der Experience gefolgt sind. Nette Idee :-)
    Der Löwe vorm MGM GrandIns Hotel, McD in die Figur schieben und dann noch mal den südlichen Bereich (Excalibur und Luxor) inkl. Parkhäuser (Caches) erkundet. Es ist schweinewarm, dass es niemandem auffällt, wenn mal einer im Parkhaus im New York, New York eine Pause in einem Treppenhaus macht. Schon witzig wie frei ich mich überall bewegen kann, wenn man bedenkt, dass im Parkhaus vom Luxor, wo ich auch rumstreuner (und zwar nicht sonderlich unauffällig), erst im Juli ein Auto in die Luft geflogen ist. Glücklicherweise habe ich davon erst erfahren als ich wieder in Deutschland war, sonst hätte ich noch viel mehr geschwitzt. Andererseits ermöglicht dieses Wetter selbst für mich fotografischen Laien absolut coole Postkartenfotos. Die Ausleuchtung ist einfach super.
    Abends dann mal wieder tanzen. Die sind hier noch älter als in Phoenix, dennoch ganz gut zu Fuss. Keine anspruchsvollen Kombinationen, dafür aber gute Laune. Ich stelle hier aber fest, dass es schwachsinnig ist, zum Abkühlen vor die Tür gehen zu wollen. Schließlich sind wir hier in der Wüste von Nevada. Und irgendwie habe ich hier noch nie den Effekt bemerkt, der Wüsten nachgesagt wird. Hier bleibt es auch nachts knackig warm.
    Nach dem Tanzen fahren wir mit dem Club (ganz unamerikanisch) noch zur Afterparty.
    Außerdem stellt uns Domi „Driss“ vor, der ab heute unser Fremdenführer sein wird. Driss führt sich binnen von fünf Minuten gut ein, als er in drei Sätzen mehr erzählt als Ulrike in drei Tagen. Zudem hat er sich aus eigenem Antrieb heraus den Clubabend angeschaut und sich auf der Afterparty gut amüsiert. Warten wir es ab.
    Schlussendlich finde es witzig, wie fiele seltsame Hobbys ich auf dieser Tour kombinieren kann. Square Dance, Geocachen, Star Trek, Reisen …

  • Viva Las Vegas

    Strip by NightDer Weckruf hat mal wieder nicht funktioniert. Und diesmal lag es definitv nicht am Hefeweizen, die anderen haben es auch zu spüren bekommen.
    Der erste Stop nach einem sehr schwachen Frühstück ist der Tempel der LDS-Church. Wir bekommen sogar (welch Überraschung :-)) einen kurzen Überblick über die LDS. Sie missionieren erstaunlich wenig. Der einzige Hinweis ist, dass wenn wir ein Book of Mormon haben möchten, dann mögen wir doch bitte unsere Adresse angeben. Wir würden dann ein kostenloses Exemplar im Rahmen eines persönlichen Besuchs überreicht bekommen. Klar – wie im wahren Leben. Wenn du am Gewinnspiel teilnehmen möchtest, brauchen wir deine Adresse. An sich also ganz harmlos. Wenn der Typ nicht am Rande den Alleinstellungsanspruch der Kirche erwähnen würde.
    Weiter geht’s durch Arizona nach Nevada. Tolle Landschaft, die es hier zu sehen gibt.
    Das MGM Grand, in dem wir heute und morgen unter kommen ist eine riesige Glitzerbettenburg unter anderen riesigen Glitzerbettenburgen. Allerdings bekommen wir vorerst nur den Haupteingang davon zu sehen. Denn nachdem die Koffer ausgeladen worden sind (die wir nicht mitnehmen dürfen) fahren wir noch einmal aus der Stadt raus zum Hoover Staudamm. Riesig – imposant – und natürlich nicht auf einen Chip zu bannen.
    Abends ist selbstverständlich der Las Vegas Blvg., besser bekannt als der Strip, Pflichtprogramm. Es ist nicht möglich, diese Glitzerwelt in Worte zu fassen. Noch schwerer tut sich meine Kamera damit, dieses bunte Leuchten einzufangen. Mit Blitz werden die Bilder zu dunkel, ohne verwackeln sie. Ich habe viel Gelegenheit, mit der Kamera in dunklen Ecken zu üben, unverwackelte gute Nachtfotos zu schießen. Und tatsächlich ist der 256 MB Chip, den ich als Sicherheit während des Las Vegas Aufenthalts eingelegt habe, am Ende halb voll mit akzeptablem Material. Ich vertraue dennoch darauf, ggf. einige Bilder von Martin zu bekommen.
    Biggi, Andrea und Martin wollen unbedingt im New York, New York mit der Achterbahn fahren, ich halte mich da vornehm zurück, was weniger an Feigheit sondern am Geiz liegt. Die wollen für ein Fahrt 12,50 Dollar haben. Da ich morgen wohl noch in die Star Trek Show im Hilton will und weiß, was die kostet, will ich mein Budget ein wenig beisammen halten. Und während Biggi schon mit schlotternden Knien in die Bahn einsteigt (und das wohl auch zu recht) soll sogar Andrea während der Tour immer wieder gerufen haben „Das hier doch ganz anders als im Heidepark“.
    Mein Fazit zu Las Vegas ist, dass es nett, aber nicht so großartig ist, wie es immer berichtet wird. Liegt wohl an zweierlei Dingen. Zum einen gibt es inzwischen in allen größeren Städten Leuchtreklamen, zum anderen haben wir das, was die hier aufgebaut haben, entweder direkt vor der Tür (Venician) oder ausführlich im Geschichtsunterricht behandelt (Excalibur, Luxor und Ceasars Palace). Und die Casinos sehen eh alle gleich aus. Entsprechend kann ich nach drei Stunden oder so mit Fug und Recht behaupten, dass ich keine echte Lust mehr habe und irgendwie ins Bett möchte. Aber wir müssen ja noch die ganze Strecke zurück zum Hotel :-)
    VenicianUnd dann sind da jetzt auch die Shows, die wir auf dem Hinweg nicht angesehen haben, weil es noch hell war. Im Treasure Island bekommen wir, nachdem ich mit meinem Zimmerschlüssel gewunken habe, VIP-Plätze. Leider wird die Show, die mich am meisten interessiert hat, wegen Starkwind abgesagt. Dann weiter ins Venician, wo die Mädels Gondel fahren und die Jungs Eis essen. Ich glaube, im nachhinein hat mich das Venician am meisten beeindruckt. Nicht wegen Prunk und Glamour, den gibt es in Sin City an jeder Ecke. Sondern wegen der perfekten Illusion. Die haben innerhalb den Hotels eine komplette Stadt im venizianischen Stil nachgebaut. Inklusive einem Canele, auf dem Gondeln fuhren. Und obwohl es draußen dunkel war, war hier drin tag. Nicht einfach nur taghell erleuchtet sondern mit einem Himmel, bei dem man den Eindruck hatte, die Wolken würden im Wind dahinziehen. Da springt die innere Uhr dann endgültig aus der Spur. Gottseidank haben die Illusionisten auf die Tauben verzichtet :-)
    Der Vulkanausbruch am Mirage ist mehr als enttäuschend, die Wassershow am Bellagio dafür sehr schön und wird wegen des großen Erfolgs auch gleich noch mal wiederholt :-) Viva Las Vegas von Elvis, sehr dynamisch. Im Nachhinein habe ich ein Video von der Show bei YouTube gefunden, dass ich nicht verlieren möchte und deshalb hier verlinke. Da der Weg am Bellagio länger ist als die verbleibenden 7 Minuten zur vollen Viertelstunde, bekommen wir noch eine dritte Show mit einem neuen Lied geliefert. In diesem Fall gab es God bless America. Recht patriotisch, aber dafür sind wir ja auch hier. Und auch ziemlich gut umgesetzt.
    Auf dem Rest des Wege dann den penetranten Drückern ausgewichen (Girls, Girls, Girls), Souveniers und ein Sixpack Absackerbier (für drei Leute) gekauft und dann zur Viererafterparty in Hotel getigert (müsste man beim MGM Grand nicht von gelöwt sprechen). Ach ja. Günstige (aber nicht billige) T-Shirts und ein Hemd sind auch in meiner Tasche gelandet. Das Casino Royale hat Ausverkauf gemacht und alles zwischen 5 und 10 Dollar rausgehauen. Da wäre es dumm gewesen, nicht zuzuschlagen. Viva Las Vegas!