Phoenix – 2:30 a.m. (ja, ich muss mir das ja auch mal angewöhnen)
Das Hotel ist Klasse. Der große Vorteil, mit Domi zusammen zu wohnen, heißt „Ambassador-Suite“ und ist entsprechend groß. Neben dem riesigen Schlafzimmer haben wir ein ebensogroßes Wohnzimmer mit Ess- und Couchtisch, zwei Bade- und ein Bügelzimmer.
Das Bier im örtlichen Pub war – hm – alkoholhaltig, aber die 90 Grad Fahrenheit (32°C), die es vor der Tür des Pubs hatte, haben mich dann doch getroffen. Nach 3 Hefewitzen (Marke: Pyramid, laut Internetrecherche 5,2 %) und einem „Fat Tire“ (heißt nicht nur so sondern hat auch geschmeckt wie ein alter Reifen) war das doch recht kuschelig.
Den Cache, den ich nach dem Pub noch angelaufen habe (500 Meter durch die Wüste in Arizona (scheiß Alkoholübermut)) habe ich dann doch nicht gehoben. Nachdem ich nach der Ankunft den ersten Skorpion im Badezimmer gefunden hatten (Domi dachte, ich veralbere ihn, die Belegschaft des Hotels hat das aber sofort geglaubt), hatte ich dann irgendwie keine Lust, im Dunkeln blind in der Fauna eines fremden Landes zu buddeln. Klarer Fall von Feigheit.
Da ich aber auf jeden Fall den mitgebrachten Travelbug hier in den Staaten los werden möchte und wie berichtet nicht sonderlich viele ausreichend große Dosen eingeplant habe, tigere ich vor dem Frühstück noch mal los und werde auch prompt fündig.
Der Scorpio, den ich im Bad gefunden hatte, ist übrigens der Art nach, in der Gegend bekannt. „Je kleiner, desto mehr schmerzt der Stich. Die Babys können das Gift wesentlich schlechter dosieren.“ Entsprechend pumpen die einem alles Gift, was da ist, in den Blutkreislauf.
Ach ja. Internet. Um hier ins Netz zu kommen, braucht man wohl einen Anschluss an den Netzstecker, den die hier im Zimmer ausliegen haben. Leider hat mein Telefon dafür keine Buchse.
Tagesprogramm (ja, die Uhrzeit ist schon wegrationalisiert)
Botanischer Garten
Was die in Hannover mit dem Kakteenhaus in klein gemacht haben, haben die hier in Phoenix in echt und groß. Unter anderem erfahren wir hier, dass Kakteen Sonnenbrand bekommen können, deshalb werden die hier mit schwarzen Netzen geschützt. Und Agaven verspritzen den angesammelten Zucker von ihrem Stamm aus :-) Das ist zu mindestens das, was die Fremdenführerin Ulrike aus dem macht, was uns die Führerin durch den botanischen Garten erzählt. Tatsächlich (nur der Form halber) sammeln Agaven den Zucker und bilden damit einen Stamm aus (der bis zu fünf Metern groß werden kann) um an dessen Ende ihre Samen zu sammeln. Irgendwann wird die Pflanzen zu schwach, den Stamm zu stützen, er fällt um und die Samen fangen in einigem Abstand zur Mutterpflanze an zu wachsen. Man, die Fremdenführerin hat sehr kreative Übersetzungen… Das mit den Netzen gegen den Sonnenbrand ist übrigens korrekt, das hatte Ulrike erst gar nicht zu übersetzten versucht.
Heart Museum
Unser nächstes Ziel ein Museum über die Kunst der lokalen Indianerstämme. Schön gemacht und interessanterweise hat man zum einen antike Stücke und zum anderen Stücke, die von modernen Künstlern und ebensolchen Motiven mit den alten Methoden hergestellt wurden. So findet sich da auch eine Micky Mouse aus Türkisen. Aber ich bin ja dankbar, dass ich englisch kann und nicht auf die peinlichen und falschen Übersetzungen von Ulrike angewiesen bin…
Phoenix ist eine echte Rentnerstadt. Das Klima ist gut und selbst die Wintermonate werden nicht kühl. Daher ziehen viele Amis nach der Rente nach Phoenix. Entsprechend viele Krankenhäuser gibt das hier. Und entsprechend erwarte ich auch einen etwas höheren Altersdurchschnitt beim Clubabend, den wir heute Abend besuchen werden. Der Tänzer, der uns im Hotel eingesammelt hat, bestätigt das auch gleich. Warten wir es ab.
…
Und sie waren alt. Gerüchte redeten davon, dass die tatsächlich ein Mindestaufnahmealter von 65 Jahren haben. Aber dennoch waren sie echt fit drauf und wurde von einem ziemlich guten (wenn auch recht arroganten) Caller durch die Gegend gescheucht. Besonders niedlich fand ich eine Oma, die auf mich zu kam und erzählten, dass sie gehört hatten, dass wir Männerüberschuss hätten und dass es Deutschland möglich ist, dass eine Frau einen Mann auffordert und dass sie gerne mit mir Tanzen wolle. Wenn man so nett gefragt wird, gibt man doch gerne klein bei. Die Oma war übrigens die ganze Tour über die einzige Amerikanerin, die mich zum Tanz gebeten hat. War auf jeden Fall ein schöner Tanzabend :-)
Kategorie: Unterwegs
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Kakteen und Rentner
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Anreisetag
Hamburg Flughafen – 5:30 Uhr Ortszeit
Ok, ich sitze hier in der Wartezone und bin (natürlich) viel zu früh dran. Macht aber nichts, die haben mich schnell und einfach auf eine frühere Maschine umgebucht. Besser eine Stunde länger in Frankfurt als hier rumzusitzen …
Oh. Boarding. Jetzt geht’s los.
Ach ja, da die hier Geld fürs Wlan haben wollen, spar ich mir das online stellen :-)
Ich sitze im Flieger und habe tatsächlich sowas wie Notausgangssitze. Zumindestens bilde ich mir ein, dass der Sitzabstand hier, neben den Notausstiegsluken, etwas weiter ist.
Frankfurt Flughafen – 10:15 Uhr
Alle Kontrollen erledigt. Der Pass ist schon mächtig abgegriffen. Domi erklärt gerade sein persönliches Bordkartenexperiment. Da die Flugesellschaft die Gruppe ziemlich gewürfelt und auseinander gerissen hat, hat Domi in einer Nachtschicht alle vergeben Plätze neu verteilt. Aber da bin ich ja als Economy Plus Kunde außen vor. Außerdem erzählt Domi gerade von seinem letzten Geburtstag. Besoffen mit allen Vieren ins Lagerfeuer gefallen. Und dann im Brausebrand nicht den Norarzt gerufen sondern erst mal ins Bett gegangen und aufgrund der Schockwirkung nicht einschlafen können. Die Narben an Händen und Knien sehen entsprechend aus. Und ich dachte, irgendwann kommt man mal aus dem Alter raus ;-)
Washington Flughafen – 15:35 Uhr Ortszeit
Sind gut angekommen und gelandet. Aus irgendeinem obskuren Grund müssen wir hier unsere Koffer einsammeln und selber über die Zollgrenze tragen. Aber wir tun ja brav, was die Amis von uns verlangen – schließlich wollen wir ja rein. Und dann ziehen die mich am Zoll raus. Was ich denn hier will, was ich arbeite, wie viel Geld ich dabei habe und wo meine Eltern her kommen. Bei der Antwort „Nienstedt“ erhalte ich ein wissendes Nicken. Kennt die Dame vom Zoll natürlich. Nach ungefähr fünf Minuten gemütlicher Plauderei stempelt die Dame irgendein Formular ab (nicht dass ich das als Andenken bekäme, die sammelt sie wohl selber) und ich kann meine Koffer wieder aufgeben.
Nach dem langen Flug und dem recht kargen Essen (war eigentlich geschmacklich gar nicht so schlecht) beschließen wir, erst mal echtes, amerikanisches Essen (sprich: Junk Food) einzufahren. Da wir aus einer zivilisierten Ecke der Welt kommen und McD, BK und das Sandwich aus der Untergrundbahn schon kennen, suchen wir nach was „Neuem“. Dabei läuft uns eine Mutter mit ihrem Kinderwagen (so einer, wo die Kinder nur drin liegen) über den Weg. Und ich bin etwas irritiert, als ich Stimmen aus dem Wagen höre. Am Fußende des Kindes schaut (als Technikfreak erkennt man sowas) die Ecke eines mobile DVD-Spielers aus dem Kinderwagen. Sollte die Mutter, während Sie mit ihrem Kind durch die Gegend schiebt, tatsächlich einen Film gucken anstatt auf das Kind ud die Umwelt zu achten. Verwerflich. Und dann schaue ich genauer hin – der Monitor zeigt in die andere Richtung. Das Kind, bestimmt noch kein Jahr alt, schuat gebannt auf die Flimmerkiste und wird mit einem Film ruhig gehalten. Bevor ich auch nur den Hauch von Galle schmecke, die in meinem Magen kocht, kommt der alte Spruch wieder hoch: „Andere Länder, andere Sitten“.
Um den Magen wieder zu beruhigen, wird nun erst mal Fast Food eingefahren. Stuffed Pizza bei Villa mit Doc Pepper für nur 6.45$. Rootbeer ist leider aus :-(
Im Fernsehen haben sie bei CNN gerade live aus Frankfurt berichtet. Da aber kein Ton an ist, bekomme ich nicht mit, was passiert ist. Memo an mich selber: ich brauche noch meine Dosis Nachrichten.
Um 17:50 geht es weiter nach Phoenix. Ich weiß noch nicht, ob ich mit dem Fensterplatz, den ich bekomme habe, glücklich werde. Oh mein Gott. Mini-Mouse ist Flugbegleiterin. Ich erkenne ihre Stimme.
Den Flug bekomme ich dann doch nur im Dämmerzustand mit, weil mein Körper beschlossen hat, dass nun aber mal genug ist mit dem staunend-durch-die-Gegend-rennen und mich eindösen lässt. Das ist zum Einen schade, da ich so dem Handlungsfaden von „Oceans thirteen“ nicht folgen, zum Anderen unbequem, weil ich mich im Flugzeug nicht entspannen kann (mangels Routine) zum Dritten aber gut, weil ich so meine ersten Eindrücke in Phoenix in einem einigermaßen wachen Zusand bekomme. Und es sind verdammt warme Eindrücke, die zudem noch zwischen den Zähnen knirschen. Über Phoenix fegt gerade ein Sandsturm hinweg. Und ich muss sagen, auch wenn ich die Hitze nicht gut finde, kann ich sie besser ertrage als in Deutschland. Ist einfach trockener.
Und das Nickerchen im Flugzeug ermöglicht es mir, trotz dass der Kopf ins Bett möchte, noch mit einigen anderen in den zum Hotel gehörenden Pub zu gehen. Da es aber schon nach Mitternacht ist, gehört das zum 2. Tag.